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Mein Fotografierstil – eine persönliche Entwicklungsgeschichte …



(22.07.2006)

In meiner Anfangszeit beeindruckten mich das Zugfahren und die damit zusammenhängenden exakten Abläufe bei der Deutschen Bundesbahn. Die Masse an Zügen, die vielen Menschen, die damit zu tun hatten. Infolgedessen waren meine eher seltenen und meist spontan entstandenen Bilder auch nicht in die Kategorie »Züge und Landschaft« einzuordnen, sie waren umfassender: Detailaufnahmen vom Lok-Schrottplatz, abgeschnittene Züge, Bahnhofsszenen, Bilder aus dem fahrenden Zug. Sie sind exemplarisch für spontane Bilder aus einer Zeit von ungefähr 1976 bis 1984.

Ab da wurde meine Sicht spezieller. Entdeckte Literatur über Eisenbahnfotografie erweiterte den fotografischen Blick für Landschaften. Eisenbahnmagazine und -bücher fokussierten ihn auf die Triebfahrzeuge. Gleichzeitig bemerkte ich den Umbau der Bahn: Strecken wurden stillgelegt, ein um die andere Baureihe verschwand, die Familie der Eisenbahner wurde zusehends kleiner. Betonmasten, Hochbahnsteige, Neubaustrecken, das unpassende Ozeanblau/Beige, all das begann im großen Stil zu kommen und ich es damit zu meiden. Ich lernte Eisenbahnfotografen aus der näheren und weiteren Umgebung kennen und wir zogen immer öfter gemeinsam durch die deutschen Lande. Auch durch verschiedene ausländische.

Die neu entdeckte Mittelformatfotografie, teuer und schwerfälliger als die mit Kleinbild, zwang zu mehr Sorgfalt am Schienenstrang. Dennoch konnten wir uns noch nahezu unbeschwert an ihm bewegen – dort wo in der Karte eine geeignete Stelle ausgemacht wurde, fanden wir sie in natura meistens auch so vor. Mitte der neunziger Jahre, das neue Farbschema Klogrün, Blassorange, Himmelblau und irgendwie Fleischrot hatte den geliebten original bundesbahnfarbenen (blau, rot, grün) Bestand bereits dezimiert, war gekennzeichnet von gezielteren Ausflügen, deren Anlass meist eine Sonderfahrt war. Drumherum wurde der Normalbetrieb, soweit geeignet, mit eingefangen.

Um die Jahrtausendwende war dann der ein oder andere Bundesbahn-Exot noch interessant, daneben die immer zahlreicher werdenden Neubaulokomotiven. Spätestens seit dieser Zeit waren die Ausflüge an die Bahn stark rückläufig. Berufliche wie familiäre Veränderung bei den befreundeten Hobbykollegen und bei mir selbst und zunehmend eingewachsene Strecken engen den fotografischen Wirkradius sehr stark ein. Die Information über das, was an Besonderem, – wo, wann und wie fährt –, schwillt dagegen an. Da hätten wir uns früher die Finger danach geschleckt... Die Ausflüge, nur noch selten gemeinsam unternommen, werden noch seltener. Die letzten, besonderen Lokomotiven werden abgestellt, umlackiert oder verschrottet. Viele liebgewonnene Ziele sind so stark verändert oder existieren gar nicht mehr, dass das Hobby in der freien Natur, wenn schon nicht in Frage gestellt, so doch nur noch einen geringen Stellenwert einnimmt.

Gegensätzlich verhält es sich daheim. Nein, es ist nicht die Modellbahnanlage, die schlummert nach wie vor im Keller vor sich hin, es sind die vielfältigen Möglichkeiten, in der mittlerweile digitalisierten Fotowelt am Bild tätig werden zu können. Deren Qualität ist beeindruckender denn je, die Ansprüche an das Motiv und die nachfolgende Verarbeitung ist sehr hoch. Das schließt ein großes, technisches Know-how ein, die Übergänge der Bildretusche in die Kunst der Veränderung am Bild, sagen wir ab da ruhig einmal am Kunstwerk, sind fließend. Zu rein analogen Zeiten war die fotografische Arbeit bis zu Aufnahme zu erledigen, heute, im Zeitalter der Digitalfotografie, ist mindetens die Hälfte der Arbeit nach der Aufnahme zu tun. Ein Abbild dessen über die Zeit ist diese Homepage.

Zum Schluss nach der Beschreibung der Entwicklung noch die des Stiles in Stichpunkten:

Die Eisenbahn, sprich Zug sollte die Hauptrolle im Bild spielen. Das geht einher mit dessen Abblidungsgröße im Verhältnis zum Gesamtbild.
Tendenziell, je größer der Zug, desto uninteressanter die Landschaft und umgekehrt.
Weniger schön finde ich Bilder, auf denen große Teile des Zuges verdeckt sind. Zum Beispiel durch Hochbahnsteige, Pflanzen entlang des Bahndammes, …
Bilder, die der Horizont halbiert, sind ebenfalls nicht mein Stil.
Ich bin ein Fan des goldenen Schnittes, je nach Abbildungsgröße sollte die Lok bzw. der Zug in dessen vier möglichen Schnittpunkten anzutreffen sein.
Ausgemittelt sollte das Bild sein, ich habe keinen Gefallen an schiefen Bildern.
Die Sonne im Rücken? Ja, wenn es geht, Ausnahmen sind natürlich zulässig, wenn die Licht- Landschafts- oder Formendramaturgie einen Ausgleich schaffen kann.
Speziell bei Elektrolokomotiven finde ich es ausgesprochen störend, wenn sich der Stromabnehmer im Fahrleitungsmasten »verfängt«.
Für Schlechtwetter- und Schwarzweißfotografie habe ich gelegentlich auch etwas übrig.
Mehr und mehr interessieren mich ältere Bilder, aber das ist ein anderes Thema.

Letzte Änderung: 20.02.2010

 
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